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Blog TCM-Sozialforum

Chinesische Medizin im humanitären Einsatz

TCM-Sozialforum - Chinesische Medizin über Grenzen
ist eine Plattform für weltweite Hilfsprojekte,
die im besonderem Maße durch Chinesische Medizin
unterstützt werden.

Als Volontärin in Nordindien

News Muskan Viklang Trust Posted on Sat, November 03, 2018 12:46:36

Ich heiße Lucia Rizzo, bin Dipl. Psychologin und Heilpraktikerin, meine Heilpraxis mit Schwerpunkt Akupunktur und Hypnose befindet sich in Ainring, unmittelbar an der österreichischen Grenze.

Ich durfte in Dezember 2015 und Januar 2016 meine MVT-Kollegen für 3 Wochen bei der Arbeit unterstützen – eine einmalige, sehr bereichernde Erfahrung, die ich jedem Therapeuten wünsche.

Ich kam an einem Samstag Abend in Bodhgaya an, ziemlich schnell fühlte ich mich unter meinen Kollegen wie in einer großen Familie: der kulturelle „Gap“ war, Dank ihrem offenen und neugierigen Geist, schnell überwunden. Ich wohnte im Guesthouse Rahul, einer sehr ruhigen, sauberen und zentralen Pension, wo auch viele asiatischen Mönche und Nonnen untergebracht waren. Dort wurde ich jeden Vormittag von meinem Kollegen Ajay abgeholt, einem begnadeten Motorradfahrer, der sich und mich gekonnt und sicher durch das gewöhnungsbedürftige, dichte indische Verkehr schleuste. Mit dem Motorrad fuhren wir zu verschiedenen Dörfern (1 bis 2 am Tag) über mehr oder weniger asphaltierten Straßen, wo zahlreiche Patienten auf uns warteten. Meistens handelte es sich um Kinder mit Lähmungen, Cerebralparese oder Polio-Folgen, aber auch einige Schlaganfall-Patienten wollten sich unserer Akupunktur-Behandlung unterziehen. In manchen Fällen klagten die Patienten auch über Rückenschmerzen, Ischialgien oder Tinnitus.

Die Behandlungsorten waren sehr vielfältig, jeder Ort wurde von den Projektleitern vor Jahren gesucht und mit dem jeweiligen Besitzer vereinbart. Mal war das eine Schule, mal die Räumlichkeiten eines anderen Therapeuten, oder – am Häufigsten – der Gemeinde, mal auch das Dach eines unbewohnten Hauses, wie in diesem Video ersichtlich!

Samstags brachte uns Ajay‘s Motorrad zu dem 2-3 Km entfernten Haus von Rakesh, dem Projektleiter, wo ich meine Kollegen über Inhalte aus der chinesischen (vor Allem über die Wandlungsphasen) und japanischen Medizin unterrichtete. Letztere, „Shonishin“ (jap. Meridiantherapie), ist eine spezielle Behandlung von Babys und Kindern bis 10-12 Jahren: es werden keine Nadeln benutzt – nur ein Metallstab – damit können alle Kinder behandelt werden, es gibt kaum Kontraindikationen. Im Haus von Rakesh befindet sich auch eine Werkstatt, in der regelmäßig die Elektroakupunktur-Geräte auf Vordermann gebracht, Gipse erstellt und Krücken repariert werden.

Es war beeindruckend zu sehen, wie rasch viele kleinen Patienten auf die intensiveren Behandlungen reagierten. Wie Rahul, ein kleiner, schüchterner aber strahlender Junge. Er konnte anfangs nicht mal alleine stehen. Rakesh hat ihn zielstrebig und geduldig täglich mit Akupunktur und Physiotherapie behandelt. Nun habe ich mit meinen Augen zusehen dürfen, wie er geht, ja läuft, und mit anderen Kindern spielt!

Alles in Allem, war das eine sehr bereichernde und berührende Erfahrung, die ich jedem und jeder nur wünsche.

Namaste! Lucia



Projektbesuch in Bodhgaya

News Muskan Viklang Trust Posted on Mon, July 27, 2015 23:18:08

Im Februar 2015 reiste ich von Nepal über Delhi direkt nach Bodhgaya, um mich von den Umständen im Staate Bihar, bekannt als eines der ärmsten Bezirke Indiens, zu vergewissern und das Team von Muskan Viklang Trust eine Zeit bei ihrer Arbeit in die entlegeneden Dörfer zu begleiten.
Ich nahm mir ein Zimmer in einem tibetisch geführten Guesthouse im Zentrum von Bodhgaya. So konnte ich in meiner freien Zeit unter dem berühmten Bodhibaum, unter dem der Buddha seine Erleuchtung fand, meditieren und mich von anderen spirituellen Reisenden inspirieren lassen.
Morgens wurde ich von Kollegen des Teams von MVT mit dem Motorrad abgeholt und abends wieder sicher ins Guesthouse gebracht.
Es war eine sehr aufregende und interessante Zeit. Jeden Tag von Montag bis Freitag fahren jeweils morgens und am Nachmittag mind. zwei Teams mit dem Motorrad in verschiedene Dörfer. Ich begleitete ein Zwei-Therapeuten-Team, was bedeutete zu dritt auf dem Motorrad bis zu 80 km Entfernung auf stark von Riesen-LKW’s, Bussen, Autos, Viehwagen, Radfahrern, Fußgängern und allem Getier frequentierten Straßen, die zwar besser als in Nepal sind, aber dennoch u.a. durch die vielen Löcher sehr gefährlich.
In den Dörfern wird ein temporäres Behandlungszentrum, entweder im Freien in der Nähe von öffentlichen Gebäuden wie Schulen o.ä. oder in leerstehenden Räumen aufgebaut.
Kaum sind die Matten ausgelegt treffen auch schon die ersten Patienten ein. Viele kommen schon seit Jahren. Anfangs reisen Sie dem Behandlungsteam hinterher, um mehrmals in der Woche Behandlungen für sich oder ihr Kind zu bekommen.
Später, nach gewissem Erfolg reicht dann eine Behandlung in der Woche.
Hauptsächlich werden hier neurologische Erkrankungen, wie Schlaganfall, Cerebralparesen, Polio und Störungen nach Unfall behandelt.
Es ist immer wieder schön zu sehen, was die Akupunktur im Zusammenhang mit Physio- und Ergotherapie erreichen kann.
Kinder, die weder gehen noch greifen oder sprechen konnten und unter schwersten Krämpfen litten, wurden befähigt im aufrechten Gang zu gehen, selbstständig die Toilette aufzusuchen und nach angebotenen Keksen zu greifen. Die Krämpfe verschwinden oft gänzlich und sie sind fähig ein einigermaßen normales Leben zu führen. Das Lächeln eines solchen Kindes vergisst man nie.
Aber auch die Fortschritte und damit verbundene Freude eines Familienvaters, der vor einem schweren Motorradunfall, der alleinige Ernährer einer vielköpfigen Familie war mitanzusehen, ist ein unvergessliches Erlebnis.
Am Samstag trifft sich das gesamte Team an seinem Hauptsitz in Bodhgaya. Es ist der Tag für Besprechungen, Schulungen, Anfertigungen von Schienen, Stützen und allerhand anderem orthopädischen Material. Einige Patienten kommen auch am Samstag zur Behandlung. Für meinen Besuch war es die Gelegenheit für das Weitergeben aus meinem Erfahrungsschatz, welches das Team erfragte und gern bereitwillig entgegen nahm.
Wir ermuntern unsere Volontäre den Samstag für solche Schulungen zu nutzen, denn nur dadurch ist das Team von MVT zu dem geworden, was es ist. Auch Auffrischungen sind immer wieder willkommen.
Während meines Aufenthaltes und vielen Treffen mit dem Mitbegründer Rakesh und seinem Team stellte sich heraus, dass das Projekt auf wackligen Beinen steht. Es wird dringend finanzielle Hilfe für die laufenden Kosten, wie Gehaltszahlungen, Materialanschaffungen, Bezin und Fahrzeugreperaturen benötigt. Aber auch um neue Fahrzeuge, wie Motorräder und einen Kleinbus anzuschaffen. Für die Therapeuten ist ein sicheres Fahrzeug ein wichtiges Element. Die Arbeit als mobiler Therapeut sichert ihnen den Lebensunterhalt und ihr Motorrad sollte deshalb auch eine gewisse Verkehrstüchtigkeit aufweisen. Die Motorräder mit denen ich mitgefahren bin hatten oft ein Panne und waren nicht verkehrssicher. Es ist besser nicht daran zu denken, was alles passieren könnte und sich immer wieder mit Freude auf das Gefährt zu schwingen. So schenken wir den unterprevilegierten Menschen in Indien eine bessere Lebensqualität.
Dennoch steht eine Neuanschaffung außer Frage. Durch eine weiterhin laufende Spendenaktion, die jetzt auch auf Betterplace zu finden ist, können wir nun zumindest die Spende für ein neues Motorrad beisteuern. Es sei an dieser Stelle allen Spendern dafür nochmals herzlichst gedankt.
Ich hoffe einige Therapeuten mit diesem Beitrag motivieren zu können, selbst einmal nach Bodhgaya zu reisen und ihre Hilfe den liebenswürdigen Menschen, die sich sonst keine medizinische Versorgung leisten können anzubieten. Sollte jemand nicht selbst reisen können oder nicht die Qualifikation für die Vor Ort Hilfe haben, sind Spenden regelmäßig oder einmalig, in welcher Höhe auch immer sehr willkommen.