Ich heiße Lucia Rizzo, bin Dipl. Psychologin und Heilpraktikerin, meine Heilpraxis mit Schwerpunkt Akupunktur und Hypnose befindet sich in Ainring, unmittelbar an der österreichischen Grenze.

Ich durfte in Dezember 2015 und Januar 2016 meine MVT-Kollegen für 3 Wochen bei der Arbeit unterstützen – eine einmalige, sehr bereichernde Erfahrung, die ich jedem Therapeuten wünsche.

Ich kam an einem Samstag Abend in Bodhgaya an, ziemlich schnell fühlte ich mich unter meinen Kollegen wie in einer großen Familie: der kulturelle „Gap“ war, Dank ihrem offenen und neugierigen Geist, schnell überwunden. Ich wohnte im Guesthouse Rahul, einer sehr ruhigen, sauberen und zentralen Pension, wo auch viele asiatischen Mönche und Nonnen untergebracht waren. Dort wurde ich jeden Vormittag von meinem Kollegen Ajay abgeholt, einem begnadeten Motorradfahrer, der sich und mich gekonnt und sicher durch das gewöhnungsbedürftige, dichte indische Verkehr schleuste. Mit dem Motorrad fuhren wir zu verschiedenen Dörfern (1 bis 2 am Tag) über mehr oder weniger asphaltierten Straßen, wo zahlreiche Patienten auf uns warteten. Meistens handelte es sich um Kinder mit Lähmungen, Cerebralparese oder Polio-Folgen, aber auch einige Schlaganfall-Patienten wollten sich unserer Akupunktur-Behandlung unterziehen. In manchen Fällen klagten die Patienten auch über Rückenschmerzen, Ischialgien oder Tinnitus.

Die Behandlungsorten waren sehr vielfältig, jeder Ort wurde von den Projektleitern vor Jahren gesucht und mit dem jeweiligen Besitzer vereinbart. Mal war das eine Schule, mal die Räumlichkeiten eines anderen Therapeuten, oder – am Häufigsten – der Gemeinde, mal auch das Dach eines unbewohnten Hauses, wie in diesem Video ersichtlich!

Samstags brachte uns Ajay‘s Motorrad zu dem 2-3 Km entfernten Haus von Rakesh, dem Projektleiter, wo ich meine Kollegen über Inhalte aus der chinesischen (vor Allem über die Wandlungsphasen) und japanischen Medizin unterrichtete. Letztere, „Shonishin“ (jap. Meridiantherapie), ist eine spezielle Behandlung von Babys und Kindern bis 10-12 Jahren: es werden keine Nadeln benutzt – nur ein Metallstab – damit können alle Kinder behandelt werden, es gibt kaum Kontraindikationen. Im Haus von Rakesh befindet sich auch eine Werkstatt, in der regelmäßig die Elektroakupunktur-Geräte auf Vordermann gebracht, Gipse erstellt und Krücken repariert werden.

Es war beeindruckend zu sehen, wie rasch viele kleinen Patienten auf die intensiveren Behandlungen reagierten. Wie Rahul, ein kleiner, schüchterner aber strahlender Junge. Er konnte anfangs nicht mal alleine stehen. Rakesh hat ihn zielstrebig und geduldig täglich mit Akupunktur und Physiotherapie behandelt. Nun habe ich mit meinen Augen zusehen dürfen, wie er geht, ja läuft, und mit anderen Kindern spielt!

Alles in Allem, war das eine sehr bereichernde und berührende Erfahrung, die ich jedem und jeder nur wünsche.

Namaste! Lucia